Meine dunkle Zeit...


3 Tage in der Woche eine Migräne-Attacke... das steigerte sich, wenn ich genau darüber nachdenke. Während meiner Ausbildung war es nur immer mal so, wenn es stressig wurde, oder das Wetter krass wechselte. Das war selten, aber so heftig, dass ich sogar Lähmungen in meiner linken Körperseite bekam. Das hat sich zum Glück verwachsen - die Migräne verändert sich irgendwie ständig ein bissl. Während ich ironischer Weise in der Neurologie als Ergotherapeutin arbeitete wurde es immer schlimmer. Wegen weiter Entfernung, viel statischer Arbeit  - sprich bewegen von immobilen Patienten, viel Stress und sehr frühem Arbeitsantritt - der Wecker klingelte täglich um 5 Uhr. Morgens ist noch nie meine Zeit gewesen, aber "muss" ja! 

Ihr merkt schon, Vieles passte im Nachhinein vielleicht doch nicht so gut, auch wenn mir das Arbeiten mit den Patienten und Kolleg/innen solchen Spass machte. Ständig über sich hinaus wachsen und mit seinem angeeigneten Wissen kranken Menschen helfen! Problem war nur, dass ich irgendwie selbst krank wurde und mir nicht helfen konnte!
3 Tage die Woche lag ich komplett mit höllischer Migräne im Bett - in der Dunkelheit. Alles zu viel! Hypersensible Haut, alles zu Laut, jede Bewegung brachte Übelkeit bis zum Übergeben, jeder Lichtstrahl wie ein Blitz im Kopf und viel schlimmer - viele hilflose Menschen um mich herum die mir helfen wollen, es aber nicht konnten - ganz zu schweigen von dem unfassbaren Stress, schon wieder auf der Arbeit zu fehlen. Wieder musste eine Vertretung gefunden werden und wieder warteten DEINE Patienten auf dich... deine Chefs waren sicher nicht begeistert! Krankmeldung war kein Problem - meine Hausärztin hatte mich mehrmals so gesehen, wie ich während einer Attacke dort liege. Die Krankmeldung wurde mir sogar nach Hause gebracht. Dafür bin ich immer noch dankbar. Probleme gab es erst, wenn ich eine Vertretung brauchte - von Leuchten mit der Taschenlampe ins Auge und klopfen auf meinen Kopf war unfassbarer Weise alles dabei!

So konnte das nicht weiter gehen... wer will denn so leben? 
Das kann es nicht sein, oder?

Also wurde ich beim Seniorchef der Klinik vorstellig in der ich arbeitete...

Nach einem MRT ohne großartigen Befund und einigen Halswirbel-problemen aus meiner 12 jährigen Handballzeit wurden mir die ersten Medikament verschrieben... keine Ahnung mehr was es war. Mir war dauernd schwindelig und ich war irgendwie gedämpft. Also wurden sie abgesetzt. Bei der ersten Gabe von Triptanen ging es mir so schlecht, dass ich dachte ich würde implodieren -  schwer zu beschreiben. Aber dann lieber nur Migräne... später stellte sich heraus, dass ich wegen einer Faktor 2 Gerinnungsstörung keine Triptane nehmen darf, weil sie zu akuten Tromposerisiko führen. 

Während eines Status micraeneus sprich einer Attacke die über Wochen ging - fast einen Monat lang hatte ich lebensmüde Gedanken - geb ich zu! Der Neurologe gab mir Spritzen zur Muskelrelaxion unter mein Hinterhauptsbein - sooo schmerzhaft! Und nachdem das auch nicht half, folgte die Diagnose die man immer bekommt, wenn der Arzt nicht mehr weiter weiß - "das ist psychosomatischer Natur"

Ja, sicher anteilig bestimmt - aber nicht der Grund und auch nicht der Arzt den ich brauchte! Also weiter zum aktuellen Chefarzt der Klinik der sich nur mit Bitten und Betteln auf eine Mitarbeiterbehandlung einließ.

und los ging mit Betablockern die nix halfen... und dann kam das Schlimmste: eine Behandlung mit Antiepileptica. Das kann man nur machen, wenn man ganz verzweifelt ist. Nebenwirkungen inklusive!
Permanenter Kopfschmerz - keine Migräne aber dafür täglich Kopfschmerz! Müdigkeit bei der man im Sitzen einschläft. Auf einmal verwechselte ich links und rechts und meine dementen Patienten mussten mich beim "Mensch - ärgere - dich - nicht" auf Fehler aufmerksam machen. Alkohol nein, schwanger werden - auf gar keinen Fall!

Ihr wisst doch was jetzt kommt - die hab ich abgesetzt! Auch meine Familie und mein heutiger Mann - damals noch Freund baten mich darum, weil sie sich Sorgen machten... Nun, dann wieder zum Arzt, der sich das MRT des Vorgängers vor einem Jahr nochmal an sah. Er entdeckte eine entzündliche Veränderung der Nasennebenhöhlen - diese war schon vor EINEM JAHR da und kann ein Migränetrigger sein. 

Also ab zum HNO und zum Allergietest. Der Marker für Hausstaubmilbenkot war innerhalb von 1 Minute feuerrot und auch die Enten und Gänsedaunen sprachen sofort an. 

Wie praktisch, dass ich die letzten Jahre überwiegend in meinem Bett zusammen mit scheinbar vielen Milben und meiner sehr teuren Gänsedaunen-decke lag und mich wunderte, dass es mir morgens nicht besser, sondern schlechter ging. 

Seit her wurde alles um Einiges besser... Ich bekam Allergietabletten und Encasings für mein Bett und die Daunendecke flog in hohem Bogen raus!!

Die Attacken waren viel besser aber immer noch 1-3 mal im Monat da und Nasenspray war dennoch mein ständiger Begleiter. 

Und dann kam der HYLA und er setzte meinen bisherigen Maßnahmen die Krone auf und holte soviel Milbenkot aus meinem sauber gedachten Bett, dass ich mich fast übergeben musste. 

Aktuell bekomme ich immer noch mal Migräne, bei viel zu viel Stress und gemeinen Wetterwechseln, aber das ist 1-2 mal alle 2 Monate. Arbeite flexibel, habe Zeit für meine Mäuse und den Rest der Familie und liebe was ich tue! Damit kann ich wirklich sehr gut leben...